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Virales Marketing und Memetik
Virales Marketing und Memetik
Virales Marketing und Memetik
Sonntag, 12. Juli 2009 um 00:18 Uhr
Was haben Vogelgesang und Charles Darwin mit Werbung und Marketing zu tun? Diese Frage entsteht durch die sich jüngst verstärkenden Annäherungsversuche der Marketingforschung an die Memetik, ein Zweig der Evolutionsbiologie, der sich bemüht, Kulturphänomene analog zu Grundsätzen der Genetik zu analysieren und zu beschreiben.
Die Terminologie der Memetik ist stark an die der Genetik angelehnt. Laut der Definition des britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins ist ein "Mem" im Gegensatz zu einem Gen eine Informationseinheit, die von Gehirn zu Gehirn statt von DNA zu DNA weiterkopiert wird. Ein Beispiel aus der Tierwelt wäre etwa Vogelgesang. Bei uns Menschen sind es Melodien, Worte, Meinungen, Witze, oder Trends. Unsere innere Gedankenwelt ist ein Mosaik aus Memen, ebenso wie die Wertmuster und Trends der Gesellschaft, die uns umgibt. Und die Grenzen sind fliessend.
Die Memetik stellt Medienwissenschaftlern neue Denkmodelle zur Verfügung. Gerüchte, Tratsch, Witze, Wortspiele, Ohrwürmer und Geheimtips sind "ansteckend". In sozialen Netzen breiten sie sich so schnell und weiträumig aus als sei ein Virus im Spiel. Die chemo-elektrische Reaktion zwischen der alten Magie der lauffeuerartigen Informationsverbreitung und dem brandneuen Kommunikations-Highway Internet erzeugt neuartige Phänomene und Möglichkeiten, auch für die Werbung. Virales Marketing, kurz VM, versucht diese zu erkennen und zu nutzen.
Im Zeitalter der digitalen Vernetzung verbreiten sich Meme so schnell wie nie zuvor. Dies kommt auch daher, dass jeder 'Träger' eines Mems dieses selbstständing und beliebig oft weitersenden kann. Ansteckende Botschaften werden durch Webseiten, e-Mails oder Chatrooms von User zu User übertragen. Besonders interessant sind kumulative Effekte wie Online Hypes, bei denen es Memen gelingt, den Online-Luftraum kurzfristig zu dominieren, oder sich hartnäckig haltende Gerüchte und Legenden.
Informatiker und Netzwerkprofis nutzen die Metapher der biologischem Virus Infektion schon seit langem. Für viele Beobachter rückt sie auch Marketing und Memetik immer näher aneinander heran. Die Werbung beginnt sich zu fragen, was Darwin ihr zu sagen hat. Gibt es brauchbare theoretische Erkenntnisse in Punkto netzwerkartiger Verbreitung von (Werbe-) Botschaften? Ist das Denken in evolutionstechnischen Kategorien dienlich bei der Konzeption einer Werbe-Kampagne? Gibt es Ideen, die infektiöser sind als andere ?
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