Dienstag, Februar 07, 2012

Telefonierende Mäuse

Wer Bekannte, Verwandte oder ähnliche Beziehungen im Ausland pflegen möchte, tut dies heutzutage in der Regel durch den Schriftverkehr via E-Mail oder - direkter und spontaner - mit einem Telefonanruf. Da die Kosten eines Festnetz - Telefonates zur anderen Seite des jeweiligen Kontinents oder gar nach Übersee den Haushaltsetat der meisten Normalsterblichen aber nun einmal erheblich belasten, wurde die Internet - Telefonie erfunden und gelangte in kürzester Zeit zu erheblicher Popularität.

Wer noch in den letzten Dekaden des ausklingenden zweiten Jahrtausends geboren wurde und daran gewohnt war, ohne Ausnahme für jede Minute eines geführten Telefonats bares Geld bezahlen zu müssen, wird sich wahrscheinlich bei der kostenfreien Benutzung (welche einen Gesprächspartner voraussetzt, der die gleiche Software benutzt) eines der zahlreichen Dienste, welche sich auf Internet-Telefonie spezialisiert haben, eines zufriedenen Lächelns nicht erwehren können.

Weitreichend und umfassend sind die Möglichkeiten, welche dem geneigten Benutzer in meistens leicht verständlicher Form dargeboten werden: Telefonie(!),  Konferenzschaltungen, gleichzeitiger Chat, das Übermitteln von Dateien, Kontaktlisten und natürlich Übersichten, über was wann mit wem korrespondiert wurde - um nur das Wichtigste zu nennen. Um all dies zu ermöglichen muss man ein handelsübliches "Headset" bereit halten bzw. anschließen, ein entsprechendes Programm herunter laden (der Suchbegriff "Internet Telefonie" führt bei Google direkt zu den gängigsten Möglichkeiten), dieses installieren und der hoffentlich vorhandenen Firewall die erforderlichen Freigaben erteilen, was den Zugriff des Programms auf das Internet ermöglicht. Nun legt man sich noch einen möglichst schmückenden Spitznamen zu, bringt den seines zukünftigen Gesprächspartners in Erfahrung, fügt diesen in die Kontaktliste ein und  - voilá - einem Gespräch steht (korrekte Konfiguration der Audio - Einstellungen vorausgesetzt) in der Regel nichts mehr im Wege.

So weit, so gut - Doch die bei unserer Evolution eingebüßten Haare neigen ja gerne dazu, in jede noch so schmackhafte Suppe zu fallen und so offenbarte sich auch bei der Internet - Telefonie eine nicht unerhebliche Schattenseite: Es gibt leider nichts Abwesenderes, als einen telefonierenden Menschen, der vor dem Computer sitzt! Wer schon einmal in der Situation war, "aha" als Antwort auf eine Frage zu erhalten, oder sekundenlang auf eine vernünftige Reaktion jenseits von "mhm" warten musste, bzw. diese erst gar nicht bekam und die Wahrscheinlichkeit jemals eine solche zu erhalten immer mehr gegen Null tendierte, wird wissen, was hier gemeint ist. Allen anderen sei hier erklärt, das der jeweilige Gesprächspartner während des Gesprächs offensichtlich ausgiebig den Computer bediente - mit definitiv nachteiligem Ergebnis für den Konversationsfluss.

Da sich solche und ähnliche Situationen offenbar häuften, begannen sich findige Zeitgenossen auf die Suche nach Lösungen zu machen. Wie aber sollte man die Konzentration der Telefonierenden auf das Wesentliche - nämlich das Gespräch - fokussieren?  Kräftig gebaute ABM - Kräfte, welche sich hinter den Konversationswilligen postieren, um diese bei Auftreten von Ablenkungserscheinungen durch den Computer mit mehr oder weniger sanftem Druck zum Gespräch zurück zu führen?

Es schien lange Zeit keine adäquate Lösung in Sicht, bis die Wissenschaft uns mit der Erkenntnis überraschte, dass der Mensch kein zum Multitasking fähiges Wesen ist. Sehr ähnlich dem Computer, welcher ja ebenfalls sämtliche Rechenschritte nacheinander ausführt und zur Enttäuschung vieler Dynamiker, due immer gerne propagierten, mehrere Dinge (wenn nicht sogar das gesamte Tagespensum) gleichzeitig und am besten ohne Pause erledigen zu können. Dies verinnerlichend gelang es findigen Köpfen aus Asien, dem Internet-Telefonierwilligen eine Erfindung vorzustellen, welche den obigen Erkenntnissen Rechnung trägt: eine um eine wesentliche Funktion erweiterte Computermaus!

Die technische Entwicklung der Computermaus hat erhebliche Fortschritte gemacht: Dinge wie Mausräder und an mehr oder weniger vorteilhaft gewählten Stellen angebrachte Tasten kennt die ganze Computernutzerwelt (und irgendwann werden sich solche Dinge auch bis zu Steve Jobs herumsprechen), aber es schien in jüngster Zeit, als wäre die Computermaus quasi "fertig entwickelt". Weit gefehlt, denn jetzt schlug die Stunde der "WondaMouse".

Die "WondaMouse" der Firma Akita vereinigt 2 für die Internet - Telefonie grundlegende Funktionen miteinander: Eine Maus und ein Telefon. Der geniale Funke dieses Gedankens liegt allerdings nicht alleine in der simplen Kombination dieser zwei Funktionen, sondern vielmehr in der Vermeidung eingangs erwähnter Abwesenheit der Telefonierenden: wer ein Telefon am Ohr hat, kann schließlich schlecht eine Maus bedienen und wird sich ohne Ablenkung durch Internet oder Spiele auf das Wesentliche konzentrieren können: das Telefongespräch. Gut vorzustellen, das die neue Hardware in nahester Zukunft einen Siegeszug durch die Computer-Arbeitsplätze dieser Erde halten wird. Und wenn es soweit ist, werden Sie jederzeit wissen, wann ihr Gesprächspartner wieder einmal von seiner Arbeit vom Telefonieren abgehalten wird: Wenn er nämlich statt "mhm" oder "aha" gar nichts mehr sagt.

Zweiter, nicht zu unerschätzender Vorteil: Die Handgelenke von Computerbenutzern mit dem sogenannten RSI-Syndrom oder "Mausarm" - hervorgerufen durch zu intensive Nutzung der Computermaus -  werden für die Zeit des Telefonierens entlastet, und so auch die Gesundheit dieser Menschen nachhaltig verbessert. In diesem Fall könnten man sogar von einer Heilung durch das Telefonieren sprechen. Und das eventuell sogar am Arbeitsplatz. Merke: Nur ein gesunder Arbeiter ist ein produktiver Arbeiter.